"Wie Lego-Steine zusammensetzen" – Gießener Anzeiger

Gießener Anzeiger vom 24.10.2015

Von Christian Nemeth

MOBILE APPS Gießener Start-up-Unternehmen „Fabrik19“ entwickelt Anwendungen für Smartphone und Tablet-Computer

GIESSEN – Es ist eine Binsenweisheit: „WhatsApp“, „Facebook“ und andere mobile Applikationen, die sogenannten Apps, werden für unser digitalisiertes Leben immer wichtiger. Sind schon jetzt für Smartphone oder Tablet-Computer unverzichtbar. Die Welle an immer neuen Apps ebbt nicht ab. Das unterstreicht eindrucksvoll die Statistik: Wurden 2012 weltweit rund 64 Milliarden kostenlose sowie gewerbliche Apps heruntergeladen, waren es 2014 bereits mehr als doppelt so viele (138,8 Milliarden). Diesen Trend hat man beim Gießener Start-up-Unternehmen „Fabrik19“ früh erkannt. Die am Lahnufer in der Klinkel‘schen Mühle beheimatete Firma wurde 2013 gegründet und wirkte unter anderem bei der Entwicklung der „Giessen Entdecken“-App und dem mobilen Infoprogramm des heimischen Basketball-Bundesligisten Giessen 46ers mit.

„Wir sind Spezialist für mobile Technologie und haben Standardisierungen für mobile Anwendungen entwickelt. Man muss sich das vorstellen wie einen Satz Lego-Steine, den man

zusammensetzen kann“, skizziert Mark Pralle, der wie Sven Herchenhein Geschäftsführer ist, im Gespräch mit dem Anzeiger, worum es bei dieser Geschäftsidee „made in Mittelhessen“ geht. Insgesamt 20 Referenz-Apps, darunter auch Applikationen für den Globus-Baumarkt oder interne Anwendungen für die Deutsche Börse, kann Fabrik19 bis dato aufweisen.

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Aufgrund der wachsenden Zahl an App-Nutzern gibt es immer mehr Anbieter von Programmen. Auch mittelständische Unternehmen, Kommunen sowie kulturelle Einrichtungen wünschen sich in diesen Tagen, mit mobilen Anwendungen Präsenz zu zeigen. Solch eine App will aber natürlich erst einmal entwickelt werden – und das kann freilich nicht jeder. Interessierte Unternehmen oder städtische Einrichtungen verfügen meist nicht über das nötige Know-how oder einen findigen Programmierer. Das Ziel der bei Fabrik19 programmierten Apps ist nicht unbedingt gleich der direkte Vertrieb. Mitunter werden diese auch über Werbeagenturen an Frau oder Mann gebracht. Sie erwerben die Lizenz des Unternehmens zunächst selbst, um dann ihrerseits ein Angebot für die App-Erstellung an ihre Kunden weiterzuleiten. Oftmals begleitet das 16-köpfige Team die Lizenzkunden und lässt sie an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben. „Eine Agentur ist kein Softwareunternehmen. Da herrscht durchaus Bedarf“, stellt Pralle fest.

Übrigens ähneln sich die Anwendungen aus dem Haus Fabrik19 keineswegs untereinander, sondern sind stets individuell angefertigt. Die nativen Apps des Gießener Start-ups sind demnach auch nicht mit den standardisierten und meist inhaltlich limitierten App-Baukästen aus dem Internet vergleichbar. Mit den Anwendungen können Unternehmen alle potenziellen Inhalte in gewünschter Form abbilden. Und das ohne größeren Entwicklungsaufwand. Die Mischung eines komplexen Ergebnisses mithilfe eines überschaubaren Arbeitsaufwandes ist also die Besonderheit, auf die es Pralle und Herchenhein ankommt.

Eine Besonderheit, die in dieser Form zumindest in Deutschland bislang einzigartig ist und auf die man bei dem jungen Gießener Team durchaus stolz ist. „Bei nativen Apps sind wir sicherlich die Einzigen. Dass man von Grund auf eine eigene Anwendung hat, das ist einmalig. Wir sind hier die Ersten und es ist immer spannend, wie es den Ersten so ergeht“, sagt Pralle, dessen Team bundesweit für die Ideen wirbt.

„Wir engagieren uns schon gerne in Gießen und auch woanders, um Menschen die mobile Technologie näherzubringen. Viele Unternehmen haben das noch nicht richtig verstanden. Wir wollen unsere Software als Standardprogramm etablieren. Da möchten wir gerne etwas lauter werden“, betont der Geschäftsführer. Und Fabrik19-Pressesprecherin Doreen Sinner fügt hinzu: „Vor ein paar Jahren haben noch alle über Facebook geschimpft – heute sind alle Unternehmen dabei.“

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